Landesturnverband Sachsen-Anhalt
Fachgebiet Spielleute

Jubelklänge auf der Töpferwiese

„Spielmannszug Bernburg 1902 e.V.“ erstmals Landesmeister

An traditionsreicher Stelle, dem Sportplatz des „SV Einheit Bernburg“ auf der Töpferwiese an der Saale, trafen sich nach 1992 und 1997, Landesmeisterschaften, und 2008, Deutsche Meisterschaft, am selben Austragungsort wieder ca. 450 Musikanten des Landesturnverbandes Sachsen-Anhalt zu ihrer 25. Landesmeisterschaft 2016. Die Jubiläumsveranstaltung am 18. Juni 2016 in Bernburg war eine erfolgreiche Landesmeisterschaft und das in jeder Hinsicht.

10 Vereine mit 13 Klangkörpern nahmen an den Wettbewerben in der Landesmeisterschaft in den Kategorien Nachwuchsspielmannszüge und Erwachsenenspielmannszüge und am Pokalwettbewerb teil. Über 2.000 Zuschauer verfolgten gebannt das Geschehen auf dem Wettkampfplatz.

Der Oberbürgermeister der Stadt Bernburg, Henry Schütze, hatte dankenswerter Weise die Schirmherrschaft über die Meisterschaft übernommen. In seiner Eröffnungsrede hob er insbesondere die hervorragenden Aktivitäten des ausrichtenden Spielmannszuges Bernburg 1902 hervor. Er bedankte sich für den großen Einsatz in den vergangenen Jahren, wo viele Veranstaltungen eine niveauvolle musikalische Umrahmung durch die Spielleute erhielten. Ein besonderer Dank galt allen Organisatoren und Helfern, den aktiven Spielleuten für ihr unermüdliches Engagement und den Sponsoren ohne die diese Meisterschaft nicht möglich gewesen wäre.

Traditionell wurden im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung verdienstvolle Spielleute geehrt. Die Ehrenplakette des TK Spielleute im LTV wurde an Andreas Werner, Spielmannszug Bernburg 1902 e.V., und Usmar Krause, Aschersleber Stadtpfeifer im SV Lok Aschersleben, verliehen. Durch die Präsidentin des Landesturnverbandes Sachsen-Anhalt, Gudrun Steinbach, wurden verdienstvolle ehrenamtlich tätige Spielleute des Spielmannszuges Bernburg ausgezeichnet. Die Ehrennadel in Gold erhielten die Sportfreunde Uwe Espenhahn, Vereinsvorsitzender, und Ralf Frieboes, musikalischer Leiter.

Ein beeindruckendes Erlebnis war wieder für alle Spielleute und Zuschauer das gemeinsame Musizieren aller Teilnehmer zu der Eröffnungs- und Abschlussveranstaltung. Dazu wurden Titel aus der Landespflichtmusik gespielt. Bei dem Titel „Highland Cathedral“ hatte manch einer der Musiker und Zuschauer eine Gänsehaut bekommen. Wieder einmal hat sich gezeigt, dass in Sachsen-Anhalt die Spielleutebewegung stark verwurzelt ist und viele Vereine auf einem sehr hohen Niveau musizieren.

Damit wurde es den Zuschauern und dem Wertungsgericht schwer gemacht, denn sowohl beim Nachwuchs als auch bei den Erwachsenenspielmannszügen gab es eine sehr große Leistungsdichte. Das spiegelte sich auch in den denkbar knappen Ergebnissen wieder, beim Nachwuchs mit 0,01 Punkten zwischen Hettstedt und Bernburg sowie bei den Erwachsenen zwischen Bernburg und Hettstedt mit 0,04 Punkten Abstand zwischen den Siegern und Zweitplatzierten. Aber auch die Ziegelröder gehörten mit 0,20 Punkten Abstand als dritter bei den Erwachsenenzügen zu der absoluten Spitzengruppe.

Begonnen wurden die Wettkämpfe durch die Nachwuchsspielmannszüge. Die Kinder aus Ziegelrode hatten die Startnummer 1 und das Pech, als einzige Starter in einen richtigen Regenschauer zu kommen. Gekonnt spielten sie trotzdem ihr Programm zu Ende, was einen extra Applaus der Zuschauer einbrachte. Das es am Ende nur zu dem undankbaren 4. Platz reichte war ob der Anerkennung nicht ganz so schlimm. Gespannt warteten dann alle auf den Auftritt des Spielmannszuges Gernrode, der zu den Favoriten gehörte. Insbesondere die Titel „Gimber“ und „Yellow Submarine“ beeindruckten in der Darbietung. Trotz der Höchstwertung von 43,62 Punkten durch die Kampfrichter reichte es nur zur Bronzemedaille, weil für den Einsatz des Stabführers mit 19 Jahren eine Ausnahmeregelung der Wettkampfordnung erteilt und dafür 1 Punkt im Gesamtergebnis abgezogen wurde. Somit standen nur 42,62 Punkte zu Buche.
Also gab es die erwartete Auseinandersetzung zwischen den Vereinen aus Bernburg und Hettstedt, die beide mit hervorragenden Leistungen überzeugten. Die Hettstedter hatten den höheren Schwierigkeitsgrad der gespielten Titel auf ihrer Habenseite, 0,66 Punkte. Die Bernburger erzielten eine höhere Wertung, aber es reichte nicht ganz, denn es fehlten hauchdünne 0,01 Punkten. Somit wurde der Nachwuchsspielmannszug aus Hettstedt verdient zum 10. Mal Landesmeister des LTV Sachsen-Anhalt, ein Novum.

Ebenfalls am Nachwuchswettkampf nahm der Spielmannszug Sachsensiedlung 1964 e.V. Mühlhausen teil. Sie wollten für ihre Kinder unbedingt eine Wettkampfteilnahme erhalten und wählten diese Variante, weil in ihrem Landesverband Thüringen 2016 keine Meisterschaft stattfindet. Sie erzielten ein respektables Ergebnis von 42,48 Punkten, nahmen aber trotz der Möglichkeit, welche die Wettkampfordnung in S.-A. einräumt, außer Konkurrenz teil.

Als nächster Wettbewerb war der Pokalwettkampf angesagt. Hier ist für die Spielmannszüge die Darbietung eines Horntitels nicht obligatorisch und dem Wertungsgericht werden keine Noten zur Bewertung eingereicht. Für die Wertung steht im Vordergrund der Gesamteindruck, den sich die Wertungsrichter vom Auftritt machen. Statt der Punkt- gibt es eine Platzzifferwertung. Die „Ascherslebener Stadtpfeiffer“ konnten ihren Sieg vom Vorjahr verteidigen, der „SV Rot-Weiß Großörner“ hat mit den Titeln „Wilhelm Tell“, „The Lion Sleeps Tonight“ und „Alte Kameraden“ die Zuschauer und das Wertungsgericht ebenfalls überzeugen können. Anschließend bot mit einer Präsentation der „Hettstedter Fanfarenzug“ einen Ausschnitt aus seinem Repertoire.

Nach einer kleinen Pause, die gekonnt durch die „Oelkapel“ aus Holland überbrückt wurde, fieberten alle dem Höhepunkt der Veranstaltung, dem Wettkampf der Erwachsenenspielmannszüge entgegen. Vornweg soll allen am Wettkampf beteiligten Erwachsenenzügen Respekt für ihre tollen Leistungen gezollt werden. Insbesondere die musikalischen Darbietungen begeisterten nicht nur das „Fachpublikum“ sondern alle Zuschauer.

Das „Drehbuch“ hätte in keinem Krimi spannender sein können, denn die Gastgeber hatten von ihrem Recht als Ausrichter Gebrauch gemacht und für sich den letzten Startplatz gewählt. Nachdem der Vorjahressieger Hettstedter Spielmannszug „Blau- Weiß“ 1919 e.V. mit 47,18 Punkten die Bestmarke vorgegeben und kein anderer Teilnehmer sie überboten hatte, warteten alle gespannt auf den Auftritt der Gastgeber aus Bernburg. Bei den Erwachsenenspielmannszügen drehten die Bernburger den Spieß um. Auch hier hatten die Hettstedter die höhere Schwierigkeit, aber nur 0,16 Punkte trennte sie von den Bernburgern, Hasselfeldern und Ziegelrödern. Das war eine nicht ganz so komfortable Ausgangssituation, wie beim Nachwuchs. Der Spielmannszug Bernburg begann seine Darbietungen mit dem Horntitel „Need for Speed“ einer uraufgeführten Eigenkomposition. Dieser Titel existiert schon länger, konnte aber bisher wegen Besetzungsschwierigkeiten bei Wettbewerben nicht gespielt werden. Dann wurden gekonnt die Titel „Cinema“ und „Best of Sousa“ dargeboten. Ein Jubelschrei ertönte über die Töpferwiese, als die Wertungsrichter ihre öffentliche Wertung anzeigten, die Bernburger in den Hauptpunkten 1, Melodieinstrumente, und Hauptpunkt 3, formale Ausführungen, Spitzenreiter wurden und im Hauptpunkt 2 nur 0,5 Punkte hinter Hettstedt lagen. Das es dann sogar zum ganz großen Sieg gereicht hat, löste Freudentränen bei allen Bernburger Spielleuten aus. 13 x Bronze und 5 x Vizemeister bei den Landesmeisterschaften und nun im heimischen Stadion der große Wurf. Damit hat sich der riesige Aufwand von zusätzlichen Trainingslagern und Wochenendproben gelohnt.

Traditionell gehört der Auftritt des Seniorenspielmannszuges des Landes Sachsen- Anhalt im Wettkampfanschluss bis zur Siegerehrung zur Landesmeisterschaft dazu. 61 Aktive aus 12 Vereinen im Seniorenalter, die Ältesten über 80 Jahre, haben wieder einmal überzeugend nachweisen können, das musizieren keine Frage des Alters ist.

Im Anschluss an die Meisterschaft feierten die Bernburger mit allen Gästen ausgiebig ihren Sieg beim großen Sportlerball im Festzelt bis in die frühen Morgenstunden.


Verfasser:
Uwe Klein