Landesturnverband Sachsen-Anhalt
Fachgebiet Spielleute

Hitzeschlacht im Sportpark „Stadion am Hölzchen“ Hettstedt

Die 28. Landesmeisterschaft der Spielleute im Landesturnverband Sachsen-Anhalt e.V. ist Geschichte, eine Erfolgreiche! Am Sonnabend, dem 31. August 2019, war Hettstedt die Musikhauptstadt des Landes Sachsen-Anhalt. Über 500 Musikanten gestalteten diese hochkarätige Veranstaltung. 13 Vereine nahmen an den einzelnen Kategorien der Wettkämpfe teil, 7 Vereine gestalteten musikalisch die Übergänge zwischen den Wettbewerben.
Begonnen wurde eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn mit einem Sternmarsch durch Hettstedt. Um 12.00 Uhr war es dann soweit; die Eröffnungsveranstaltung begann mit dem Einmarsch aller teilnehmenden Vereine mit eigenem Spiel. Dann wurde es feierlich: Der Hettstedter Spielmannszug „Blau-Weiß“ 1919 e.V. wurde zum 100. Jubiläum geehrt. Die Präsidentin des Landesturnverbandes Sachsen-Anhalt, Manuela Dietz, unterstützt von der Landrätin des Landkreises Mansfeld-Südharz, Dr. Angelika Klein, zeichnete den Verein mit der Fahnenschleife und der Plakette des Deutschen Turnerbundes für das Vereinsjubiläum aus. Der TK-Vorsitzende, Uwe Klein, überbrachte stellvertretend die Glückwünsche des Landessportbundes und überreichte einen Scheck über 400,00 €.
Eine gute Tradition sind die Ehrungen von verdienstvollen Sportfreunden zur Eröffnung der Landesmeisterschaften. In diesem Jahr gab es eine besondere Ehrung. Der Vereinsvorsitzende, Klaus-Dieter Graul, wurde vom Ministerpräsidenten des Landes Sachsen-Anhalt, Dr. Reiner Haseloff, mit der Ehrennadel des Landes ausgezeichnet. Die Auszeichnung nahm im Auftrag die Landrätin, Frau Dr. Klein, vor. Die Ehrenplakette des TK Spielleute wurde an Mathias Kaczmarek, Geschäftsführer des Hettstedter Spielmannszuges, verliehen und die höchste Auszeichnung des Landesturnverbandes, die Ehrenplakette, erhielt der Leiter des Seniorenspielmannszuges des Landes Sachsen-Anhalt, Dieter Weise.
Auf Grund der extremen Hitze, 34°C im Schatten, gab es den ersten Hitzekollaps einer Teilnehmerin und so wurde auf das andere Zeremoniell verzichtet, wie z.B. das Zusammenspiel, Vorstellung des Wertungsgerichtes usw., d.h. die Vereine marschierten aus dem Stadion. Lobend erwähnt werden muss, dass der Ausrichter, die Hettstedter Spielleute, für die Vereine Zelte als Schattenspender aufgebaut hatten und alle Teilnehmer kostenlos mit Mineralwasser versorgt wurden.
Dann begann der Wettkampf der Nachwuchsspielmannszüge. Er war, wie in den Vorjahren, von einem hohen Niveau geprägt. Wie gekonnt sehr schwierige Titel und Arrangements dargeboten wurden, wie z.B. „DO YOU WANT TO BUILD A SNOWMANN“ von den Bernburger Spielleuten oder „THE LITTLE MUSICIAN“ von den Hettstedter Nachwuchsmusikanten, hat schon sehr beeindruckt. Es gab durch das Wertungsgericht hohe Wertungen und am Ende siegten die Hettstedter Nachwuchsspielleute verdient mit 42,86 Punkten. In der Geschichte der Landesmeisterschaften gab es ein Novum – die Spielmannszüge aus Ziegelrode und Hasselfelde hatten auf das Hundertstel genau die gleiche Punktzahl, 42,27. Damit gab es zwei Silbermedaillengewinner und keinen dritten Platz.
Der nächste Wettbewerb ist sehr erfreulich, weil es nach jahrelanger Abstinenz wieder eine Landesmeisterschaft der Fanfarenzüge gab. In der Kategorie Fanfarenzüge gelang den Lokalmatadoren aus Hettstedt nicht der große Wurf und sie mussten sich mit 0,12 Punkten Unterschied den Salzwedelern geschlagen geben. Sie hatten zwar die besseren Wertungsergebnisse, aber der Fanfarenzug Salzwedel die höhere Schwierigkeit um 0,88 Punkte, was letztendlich den Ausschlag gab. Salzwedel erreichte 42,13 Punkte und wurde Landesmeister vor Hettstedt mit 42,01 Punkten.

Im nachfolgenden Pokalwettkampf ging es nicht um Hundertstel und Zehntel oder gar ganze Punkte, weil nur der Gesamteindruck durch eine Jury bewertet wird. Hier können auch verschiedene Genre antreten, wie z.B. Fanfarenzüge, Spielmannszüge, Schalmeienorchester usw. Es gab wieder ein Novum: Erstmals nahm ein Klangkörper aus einem anderen Bundesland an einer Landesmeisterschaft im LTV Sachsen-Anhalt in der Wertung teil. Die Ostseefanfaren Sellin von der Insel Rügen beteiligten sich am Pokal-Wettkampf. Das lässt die Wettkampfordnung in Sachsen-Anhalt zu, weil alle Wettbewerbe als offene Meisterschaft ausgetragen werden. Die Jury vergibt am Ende des Pokalwettbewerbes Platzziffern und der Verein mit dem niedrigsten Gesamtergebnis ist Pokalsieger.
Drei Vereine mit respektablen Leistungen bewarben sich um den Pokal. Am Ende sind die Ostseefanfaren Sellin vor dem Fanfarenzug 1973 der BuSG Eisleben und dem Nachwuchsspielmannszug Neuwerk/Harz Pokalsieger geworden.

Das Highlight des Tages war dann der mit Spannung erwartete Wettkampf der Erwachsenenspielmannszüge mit dem Lokalmatador, dem Hettstedter Spielmannszug. Nach den Erfolgen bei den diesjährigen Weltmeisterschaften der Marschbands in Calgary, Canada, waren sie natürlich die Favoriten. Da sie aber als letzte im Wettkampf starteten war die Spannung sehr groß.
Es gab eine Reihe von erstklassigen Darbietungen sehr schwieriger Titel in gekonnten Arrangements, so u.a. von Günter Rettig, Ralf Frieboes, Gerhard Müller u.a.
Alle Vereine hatten ihre Fans mit in Hettstedt und wurden teilweise mit frenetischem Beifall angefeuert. Als erster starteten die Bernburger Spielleute mit einer beachtlichen Darbietung. Mit den Titeln „MACAMBO, LEINWANDHELDEN und BEST OF SOUSA“ legten sie für die nachfolgenden Vereine mit 46,80 Punkten die Messlatte recht hoch. Weder die Spielleute aus Hasselfelde noch die aus Neuwerk konnten diese Marke knacken. Die Hasselfelder erhielten für „BOJOUR DE FRANCe, SOUNDS OF HOLLYWOOD und FEUERT LOS“ 46,16 Punkte und die Neuwerker für „BONJOUR DE FRANCE, XPERIENCE und MARVEL CINEMATIC UNIVERSE MEDLEY“ 45,57 Punkte. Jetzt warteten alle gespannt auf die Hettstedter Spielleute. Sie konnten in überzeugender Manie ihren Landesmeistertitel aus dem Vorjahr verteidigen. Als Titel spielten sie „CLEVELAND-MARCH, THE BEAUTIFUL DAY und FUNNY-MUSICANS” und erhielten dafür die Traumwertung von 47,36 Punkten. Nach der Bekanntgabe der Wertung brach der Jubel aus und wollte kein Ende nehmen.

Abschließend bleibt zu bemerken, dass es eine perfekte Organisation durch den gastgebenden Verein gab, dem an dieser Stelle der Dank gebührt. Das sehr heiße Sommerwetter machte sowohl den Teilnehmern als auch den Zuschauern zu schaffen. Die medizinische Betreuung des Arbeiter Samariter Bundes war hervorragend, denn es mussten 29 Patienten behandelt werden.
Die Freiwillige Feuerwehr half mit erfrischenden Wasserduschen, die von vielen Besuchern dankbar angenommen wurden, vor allem von Kindern. Die Meisterschaft endete am Abend mit einem rauschenden Sportlerball im Festzelt auf dem Gelände des Sportparks in Hettstedt.

Uwe Klein